Chronisch Krank: Bist du eine Kämpferin oder Kriegerin?

Als chronisch kranker Mensch lebst du jeden Tag mit deiner Erkrankung und sie mit dir. Du trägst sie überall mit hin. Wie einen Rucksack. Manchmal reist du mit leichtem Gepäck und manchmal mit schwerem Gepäck. Meine Herausforderung: Meine Großartigkeit als chronisch Kranke zu sehen, auch wenn ich mich manchmal noch so klein fühle.

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Man ist nie zu klein, um großartig zu sein. Darum bin ich großartig. Darum bist du großartig!

Ich nutze das Wort großartig viel zu selten. Und höre es auch viel zu wenig. Dabei ist großartig so ein großartiges Wort. Dieser Text ist in Annas Blognacht entstanden. Einmal im Monat gibt Anna einen Schreibimpuls aus dem Alltag heraus. Und diesen Impuls nehme ich als Herausforderung, um mehr über mich und meine Krankheitsverarbeitung und -bewältigung zu schreiben. Auch dieses mal hat es mich wieder etwas Überwindung gekostet:  Meine Großartigkeit als chronisch Kranke zu sehen, auch wenn ich mich manchmal noch so klein fühle. Ich will nun öfters meine Großartigkeit sehen.

Ich wünsche mir, dass du, wenn du am Ende meines Textes ankommst, dein Gefühl der ganz eigenen Großartigkeit in dir verspürst. Denn auch du bist nie zu klein, um großartig zu sein.

Der Alltag eines chronisch Kranken

Als chronisch kranker Mensch lebst du jeden Tag mit deiner Erkrankung und sie mit dir. Du trägst sie überall mit hin. Wie einen Rucksack. Manchmal reist du mit leichtem Gepäck und manchmal mit schwerem Gepäck. Es gibt keinen Tag ohne Rucksack. Jeden Tag aufs Neue bewältigst du deinen Tag. Es gibt gute und es gibt auch einfach schlechte Tage. An schlechten Tagen kommst du halt eben mit deinem schweren Rucksack nicht so weit, da er einfach zu schwer beladen ist oder aber der Berg zu steil ist. Eventuell kommt noch schlechtes Wetter hinzu: Wie Alltagsgeschichten, die alle Menschen erleben. Das Leben dreht sich jeden Tag weiter, egal wie krank oder wie gesund du bist.
Dennoch stehst du jeden Tag auf und machst weiter. Allein, das macht dich großartig!

Leichteres Gepäck

Ich möchte zukünftig leichter reisen. Mit einem leichten Rucksack. Den Rucksack ablegen geht ja nicht, aber ich kann entscheiden, wie schwer ich den Rucksack mit all meinen Sorgen und Ängsten vollpacke: Wieviel Proviant ich mir einpacke, um an meine nächste Zwischenstation zu kommen. Ich brauche den richtigen Proviant, der mich nährt und stärkt: Der mich die Hürden des Lebens, die kleinen Etappen meiner Reise als chronisch Kranke meistern lässt. Das kannst du auch. Der Rucksack muss nicht schwer sein. Frage an dich selbst: Muss dieser Rucksack so schwer sein?

Wenn meine Wehwehchen sich summieren

Seit gut drei Wochen geht es mir einfach nicht gut. Jeden Tag habe ich irgendein anderes Wehwehchen. In der Regel kann ich gut damit umgehen und stecke meine Befindlichkeiten auch gut weg. Wenn aber zu viel von denen auf einmal zusammenkommt, dann weiß ich weder ein noch aus. Ich fühle mich dann, wie in einem Wettlauf, den ich drohe zu verlieren. Ich strenge mich an und bewältige jeden Tag und dann bin ich am Ende des Tages doch total erledigt. Und dann befällt mich auch manchmal die Angst, ob es überhaupt nochmal besser wird. Es drückt, es sticht, es schmerzt mal hier mal da. Überall. Mein ganzes System kommt manchmal so durcheinander, dass ich gar nicht weiß, was denn genau hier gerade schiefläuft. Und da fühle mich mich klein und sogar gar nicht mehr großartig.

Und was mache ich in solchen anstrengenden Zeiten?

Ich halte immer irgendwie durch. Fühle mich wie die ärmste Kreatur überhaupt auf der ganzen Welt. Das macht mich großartig! Ich gebe nicht auf. Auch wenn es mir alles noch so schrecklich vorkommt. Aussichtslos. Hoffnungslos. Ich lass mich nicht unterkriegen. Auf keinen Fall. Ich weiß, dass es irgendwann wieder bergauf geht. Das macht mich großartig!

Ich packe täglich meinen Rucksack – Was kommt rein?

Aktuell packe ich täglich in meinen Rucksack: Geduld, Ausdauer und Weitblick. Geduld brauche ich, um meine Befindlichkeiten auszuhalten. Um liebevoll mit mir und meinem Körper umzugehen. Die Ausdauer hilft mir, meine Wehwehchen auszuhalten, bis sie vorüber sind. Mein Weitblick sagt mir, dass auch wieder andere Zeiten kommen. Ich weiß, dass es mir bald wieder besser geht.

Frieden geschlossen mit meinen Zystennieren

Seit Diagnosestellung bemühe ich mich, meine Nieren so gut wie möglich zu schützen, um sie vor noch mehr Stress und Giften zu bewahren. Auch das macht mich großartig. Ich sehe sie nicht als Monster oder als Feind an, wie ich es schon so oft gehört habe von anderen Betroffenen. Das ist für mich negatives Denken. Mal ehrlich, wer will denn schon ein Monster oder einen Feind in seinem Körper haben. Egal welches Körperteil in meinem Körper. Es gehört zu mir und ich will mich mit allem arrangieren was kommt. Abwehrhaltung bringt immer Gegendruck und zieht noch mehr Abwehr nach sich. Dieses hin und her will ich nicht in meinem Körper. Es gibt genug, das von außen auf mich einströmt. Da will ich innerlich für Ruhe sorgen.

Ich sehe mich als PKD Kriegerin und nicht als PKD Kämpferin!

Warum Kriegerin und nicht Kämpferin?
Einen Kampf verliere ich irgendwann. Ein Kampf ist etwas bei dem es immer einen endgültigen Verlierer und Gewinner gibt. Ein Kämpfer kämpft mit allen Mitteln. Und leistet Widerstand. Das ist endlich und sehr hoffnungslos. Ich will nicht kämpfen. Kämpfen ist anstrengend und so negativ.
Ein Krieger ist tapfer und langausdauernd. Ein Krieger kämpft dann, wenn gekämpft werden muss. Er zieht nicht in den einen Kampf, sondern in Schlachten. Und so sehe ich es als chronisch Kranke. Als Kriegerin bestreite ich viele Schlachten. So wie jetzt gerade die letzten Wochen. Ich weiß, das nach dieser Schlacht wieder ein Ruhephase kommt, in der ich mich erholen kann. Als PKD Kriegerin sehe ich mich als großartige Heldin.

Erkenne du, wann die Katastrophe tatsächlich mal nachlässt.

Es gibt dann nach jeder Schlacht eine Phase der Ruhe, des wieder Aufbauens, des Erholens. Leider bemerke ich nicht immer, wann es Zeit ist mich zu erholen und neue Kraft zu schöpfen. Ich bin noch am Üben. Ich gehe gestärkt aus jeder Schlacht. Ich lerne dazu. Überlege mir andere Strategien, verändere was mir auffällt und wappne mich mit anderen Waffen. Das macht mich großartig. Auch wenn es dir selbst nicht so bewusst ist. Genau das machst du auch als chronisch kranker Mensch. Du denkst vielleicht nicht so darüber nach. Ich bin fest davon überzeugt, dass du dich auch immer wieder neu zurechtfindest. Und das macht dich großartig. Du vollbringst täglich Großartiges trotz deiner Befindlichkeiten.
Wofür entscheidest du dich, Krieger oder Kämpfer? Was kommt aktuell in deinen Rucksack?

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Standardbild
Carmen A. J. Teemer
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