Ernährungsinterventionen bei Zystennieren (ADPKD) – Studienlage 2021

Aktuell häufen sich die Beweise, dass die bestehenden metabolischen Veränderungen, welche die ADPKD mit sich bringt, die Flüssigkeitsansammlungen in den Zysten verstärken. Diese Metabolischen Veränderungen/Abnormalitäten können mit einer langfristigen Ernährungsintervention beeinflusst werden.

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Für die ADPKD gibt es nach wie vor kein Heilmittel. Im November 2021 erschien das Paper „Dietary interventions in autosomal dominant polycystic kidney disease“ zu Deutsch:  Diätische Interventionen in der ADPKD. In diesem Paper werden bisher stattgefundene Studien und aktuell laufende Studien und deren Ergebnisse zu verschiedenen Ernährungsinterventionen bei ADPKD zusammengefasst.

Es gibt vielversprechende Studien an Tiermodellen, die eine Verlangsamung des Fortschreitens der ADPKD zeigen. Folgende Ernährungsinterventionen kamen zum Einsatz: Kalorienrestriktion, Intermittierendes Fasten und die Ketogene Ernährung.

In der ersten Hälfte diesen Jahres werden erste Studienergebnisse an Menschen publiziert.

ADPKD und Ernährungsinterventionen Stand November 2021

Was wir aktuell als ADPKD Betroffene tun können, ist mit einer passenden Ernährung zur Förderung der Nierengesundheit positiv unsere chronische Nierenerkrankung und mit entsprechenden Ernährungsinterventionen das Zystenwachstum beeinflussen. 

Ich fasse hier die wesentlichen Punkte des Papers zusammen:

Aktuell häufen sich die Beweise, dass die bestehenden metabolischen Veränderungen, welche die ADPKD mit sich bringt, die Flüssigkeitsansammlungen in den Zysten verstärken. Diese Metabolischen Veränderungen/Abnormalitäten können mit einer langfristigen Ernährungsintervention beeinflusst werden. Daten aus Humanstudien beweisen bereits, dass eine sogenannte metabolische Reprogrammierung durch Ernährung in der ADPKD möglich ist und sich damit das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamt. Im Folgenden werde ich dies etwas näher erklären. 

Ziel: Metabolische Reprogrammierung als Modifikator der Krankheitsprogression

Die Nieren führen täglich anspruchsvolle Stoffwechselprozesse durch. Zum Nachlesen, hier mehr: Aufgaben der Nieren. Hierfür benötigen sie funktionierende Mitochondrien (Energiezellen im Körper). Über den Prozess Fettsäureoxidation wird den Energiezellen der notwendigen Brennstoff geliefert. 

Metabolische Anomalien in der ADPKD:  Abhängigkeit von der aeroben Glykolyse und Defekte Fettsäureoxidation

In der ADPKD ist  dieser Prozess der Energiegewinnung aufgrund Metabolischer Abnormalitäten gestört. Die Nieren bekommen nicht über die Fettsäureoxidation ihre Energie, da diese Art der Energiegewinnung gestört ist, sondern über die Glykolyse.  Sowohl die Fettsäureoxidation als auch die Glykolyse sind Energieproduktionen, die normal sind für unseren Körper. Dennoch nutzen die Nieren in der Regel die Energie, die aus der Fettsäureoxidation entsteht und nicht die aus der Glykolyse.

Bei der Glykolyse wird Glucose verstoffwechselt, um  Energie für die Energiezellen  bereitzustellen. Es entstehen hierbei jedoch mehr Abfallprodukte und diese schaden den Energiezellen im Körper. Sie  verkleben diese und machen sie weniger leistungsfähig und der Körper bekommt dadurch langfristig weniger Energie. 

Die Nieren verlieren ihre wichtigste Energiequelle und das zunehmende Zystenwachstum verdrängt das gesunde Gewebe. Die Nieren werden ihn ihrer Funktion dadurch nach und nach eingeschränkt. 

Die Zysten ernähren sich bevorzugt von der Glucose (Zucker ) und fordern diese auch immer wieder an. Es wird zunehmend mehr Zucker (durch Glykolyse) verstoffwechselt. Die Zellen ernähren sich, sie vermehren sich,  sie teilen sich und die Zysten werden größer und mehr. Die Fettsäureoxidation wird dadurch mehr und mehr beeinträchtigt/vernachlässigt, da die Zysten sich von dem Zucker ernähren. 

Ziel: Einwirkung auf diesen anomalen Stoffwechsel mit Diätischen Interventionen:  
Kalorienrestriktion (KR) – Intervallfasten (IF) – Ketogene Diät (KD)

Über die positiven Auswirkungen der Kalorienrestriktion gibt es schon lange Erkenntnisse, dass sie zur  metabolische Gesundheit und Langlebigkeit beitragen. In Tiermodellen mit ADPKD konnten mit der KR folgende Auswirkungen nachgewiesen werden: 

  • Verlangsamen das Zystenwachstums
  • Verbesserung des Cholesterins
  • Senkung des Blutdrucks
  • Verbesserung der Insulinsensitivität/positive Auswirkungen auf den Blutzuckerspiegel
  • Reduktion der proinflammatorischen Zytokineexpression: weniger entzündungsfördernde Prozesse im Körper

Bei den Studien zum  Intervallfasten wurden Fastentage mit Nicht Fastentagen und KR kombiniert.

Hierbei zeigten sich:

  • Gewichtsreduktion 
  • Senkung des Blutdrucks
  • Verbesserung der Insulinsensitivität
  • Verbesserung des Cholesterins

Die positiven Auswirkungen und die Durchführbarkeit der Ketogenen Diät  sind bereits seit vielen Jahren bei verschiedensten Erkrankungen durch Studien bestätigt. Kürzlich wurde beobachtet, dass adipöse Menschen mit Chronischer Nierenerkrankung eine verbesserte Nierenfunktion nach einer dreimonatigen ketogenen Diät zeigten. 

Zusammenfassung

Präklinische Studien belegen bereits die positiven Auswirkungen der Kalorienrestriktion, Intervallfasten, Ketogenen Diät und den Einsatz von exogenen Ketonen auf die ADPKD:

  • Reduktion des Nierengewichts
  • Verringerung der Epithelperforation: Zystenteilung und Vermehrung konnte reduziert werden 
  • Reduktion der Fibrose: Untergang von Gewebe bzw. Gewebevernarbung konnte reduziert werden
  • Verbesserte Kreatininwerte
  • Reduktion der Nierengröße und Zystengröße , jedoch keine Reduktion der Zystenanzahl.

Welche Schlüsse ziehe ich nun aus diesen Informationen für mich?

Ich ernähre mich seit 2019 ketogen und beziehe meine Energie über den Fettstoffwechsel. Das bedeutet, ich füttere meine Zysten so wenig wie möglich mit Zucker, den sie für ihr Wachstum brauchen.

Dabei bleibe ich, denn damit wirke ich genau auf diese metabolischen Anomalitäten der ADPKD mit der Ketogenen Ernährung ein. Ich mache regelmäßig 16:8, also Intervallfasten. Das funktioniert bei mir, indem ich das Frühstück ausfallen lasse und abends z.B. meine letzte Mahlzeit gegen 18 Uhr einnehme. Dann habe ich automatisch, wenn ich mittags gegen 12 esse schon oft 16-18 Stunden Fastenzeit.

Die Kalorienrestriktion mache ich auch ab und zu. Ich esse dann so ca. 500 kcal weniger am Tag.

Neu hinzugekommen ist das 48 Stunden Fasten. Das habe ich noch nicht fest eingebaut, da ich da noch keinen Rhythmus für mich gefunden habe. Meine Erfahrung zum 48 Stunden Fasten werde ich mal noch in einem Beitrag veröffentlichen.

Quelle:

Dietary interventions in autosomal dominant polycystic kidney disease

https://academic.oup.com/advances/advance-article-abstract/doi/10.1093/advances/nmab131/6424888

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