Zystennieren & Nierenschutz Teil 2: Aufgaben der Nieren – die Zystenbildung und ihre Folgen für die Nierenfunktion

Artikelserie Zystennieren & Nierenschutz Teil 2 Erfahre hier mehr über die Aufgaben der Nieren, die Zystenbildung in den Nieren und die Folgen für deine Nierenfunktion.

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In diesem Artikel bekommst du das Wissen, das du brauchst, um die Auswirkungen der Zystenbildung in deinen Nieren nachzuvollziehen. Ich gebe dir einen Einblick in den Aufbau und Funktion der Nieren. Dieses Wissen wird dir helfen die Ursache deiner Beschwerden besser zu verstehen.

Aufgaben der Nieren – das Klärwerk unseres Körpers

Harnproduktion in den Nieren Die Nieren filtern und beseitigen schädliche Stoffe, Abfallprodukte und Flüssigkeit aus dem Blut. Sie produzieren Harn, damit sie den Abfall über den Harn ausscheiden können.

Ausscheidung harnpflichtiger Substanzen Die Nieren filtern und entscheiden, was sie alles mit dem Harn ausscheiden und was im Körper zurückbehalten wird.

Regulation des Elektrolyt- und Wasserhaushaltes Mit den Elektrolyten sind Magnesium, Kalium, Natrium und Calcium gemeint. Die Nieren versuchen die Balance der Elektrolyte zu halten, indem sie überschüssige Elektrolyte aus dem Blut filtern und über den Harn ausscheiden.

Regulation des Blutdrucks und Blutvolumens Die Nieren beeinflussen über das Zurückhalten von Flüssigkeit oder durch vermehrtes Ausleiten von Flüssigkeit den Blutdruck.

Regulation des Säure-Basen-Haushalts In unserem Blut muss ein bestimmter PH Wert vorliegen. Dies wird erreicht in dem die Nieren regulieren, welche Stoffe über den Harn ausgeschieden werden oder was im Körper zurückbehalten werden muss.

Bildung von Hormonen Die Nieren produzieren Hormone, die den Blutdruck beeinflussen. Und können die Neubildung von roten Blutkörperchen steigern. Rote Blutkörperchen transportieren den Sauerstoff im Blut.

Nieren tragen zur Knochengesundheit bei, weil sie die Mineralstoffe steuern, die für gesunde Knochen notwendig sind.

Zystenbildung – wo genau in den Nieren?

Die Abbildung zeigt rechts eine halbierte Niere. Links davon siehst du ein Nephron. Jede Niere hat 1 Million Nephrone. Ein Nephron besteht aus dem Nierenkörperchen (Glomerulus) und dem Nierenkanälchen (Tubulus) Beide arbeiten zusammen. Sie filtern deine Abfallprodukte aus dem Blut und entsorgen diese über den Harn.

Die Abbildung zeigt eine halbierte Niere und daraus ein Nephron. Bei den Zystennieren wachsen die Zysten in  den Nierenkanälchen.
Die schwarzen Pfeile zeigen auf die Nierenkanälchen.

Die Zystenbildung beginnt mit einer Ausdehnung bzw. Ballonbildung eines Nierenkanälchen. Dies passiert in einem kleinen Anteil ca. 5 Prozent aller Nephronen. Jetzt könnte man denken. Es sind ja nur 5% von 2 Millionen Nephronen betroffen. Wie schlimm kann das schon sein?

Zysten wachsen unaufhörlich und zerstören das gesunde Nierengewebe

In den Nierenkanälchen befindet sich der Harn. Die Zysten vergrößern sich zunehmend, weil sie immer mehr Flüssigkeit aufnehmen. Dadurch wird die Zyste noch größer. Und die Zellen, aus der sich die Zysten bilden, vermehren sich auch immer mehr. Dabei kapseln sich manche Zysten ab. Die Zysten holen sich ihr Futter zum Wachsen unter anderem aus dem Zuckerstoffwechsel. Hierzu hab ich den Artikel Ernährungsinterventionen bei Zystennieren (ADPKD) – Studienlage 2021 geschrieben. Durch dieses unaufhörliche Wachstum der Zysten können die Nieren bis zu mehreren Kilos wiegen. Und sich somit auf ein x Faches vergrößern. Dabei verdrängen die Zysten das gesunde Gewebe (Nephrone) um sich herum. Also werden auch die restlichen 95 % der Nephrone in Mitleidenschaft gezogen.

Hyperfiltration führt zum schnelleren Nierenversagen

Die Zystennieren arbeiten ständig auf Hochtouren. Somit befinden sie sich im Zustand der Hyperfiltration. Dies macht sich lange bei der Messung der Filterleistung (eGfr) nicht bemerkbar. Da die Nieren dies mit ihren Millionen von Nephronen lange ausgleichen können. Sodass sie eine gute Filterleistung auf dem Blatt vortäuschen. Durch diese Hyperfiltration gehen jedoch die Nephrone nach und nach kaputt. Ab einem bestimmten Punkt (meist ab dem 45. Lebensjahr) können die Nieren nicht mehr die Filterleistung erbringen. Aus diesem Grund wird eine chronische Niereninsuffizienz oft erst spät bemerkt. Da die langjährige Hyperfiltration eine beginnende Niereninsuffizienz verschleiert. Und zudem die Anzeichen der Niereninsuffizienz meist in den ersten beiden Stadien der chronischen Nierenerkrankung noch nicht auftritt.

Auswirkungen der Zystenbildung auf die Nieren und Nierenfunktion

Bluthochdruck ist einer der häufigsten Begleiterscheinungen der Zystennieren. Er tritt bei 60-70 Prozent der Betroffenen. Meist zeigen die Nieren noch eine normale Filterfunktion. Der Bluthochdruck tritt oft schon bereits vor dem 29. Lebensjahr auf. Je höher der Blutdruck, desto schneller wachsen die Zysten in den Nieren.

Niereninfektionen etwa 30-50 % der Betroffenen werden mindestens eine Zysteninfektion entwickeln. Diese machen sich bemerkbar durch Fieber und Flankenscherzen. Aktuelle Behandlungsempfehlung zur Behandlung der Zysteninfektion findest du hier Komplikationen bei Zystennieren – (Einblutungen, Schmerzen, Infektionen)

Hämaturie (Blut im Urin) Es kommt vor, dass Zysten platzen und somit Blut über den Urin ausgeschieden wird. Auch die Zysten haben ein Blutgefäßsystem.

Nierensteine sind unter anderem aufgrund der Verformung der Nierenkanälchen (Abflussrohr der Nieren) durch die vielen Zysten ein häufiges Problem bei Zystennieren. Nierensteine bilden sich bevorzugt im sauren Milieu. Aus diesem Grund ist der Harn PH Wert sehr wichtig im Auge zu behalten.

Flanken und Abdominalschmerzen kommen zustande durch die vergrößerten Zystennieren. Die Zystennieren brauchen mehr Platz als im Körper für sie vorgesehen.

Müdigkeit und Abgeschlagenheit treten dann auf, wenn die Nierenfunktion nachlässt. Die Sauerstoffversorgung kann beeinträchtigt sein wegen reduzierter roter Blutkörperchen.

Mangelnde Regulation von Mineralstoffen und Elektrolyten sind auch eine Folge der nachlassenden Nierenfunktion. Sie führen zu Muskelkrämpfen und wirken sich auch auf die Knochen aus.

Abnahme der Harnproduktion in den Nieren Die Zysten vermehren sich zunehmend und es gehen dadurch immer mehr Nephrone kaputt. Die Nieren brauchen die Nephrone , um den Urin ausscheiden zu können. Je weniger Urin ausgeschieden werden kann , um so höher die Schadstoffe in den Nieren. Die Nieren werden dadurch noch mehr angegriffen und der Körper wird zudem mit den Schadstoffen belastet.


Kannst du deine Beschwerden nun besser nachvollziehen?

Solltest du noch Fragen haben, dann hinterlasse mir einen Kommentar oder kontaktiere mich per email info@adpkdundketo.de.

Quellen:

Autosomal dominant polycystic kidney disease (ADPKD) in adults: Epidemiology, clinical presentation, and diagnosis – UpToDate

Funktion der Niere (inkl. übersichtlicher Grafiken) (blutwert.net)

Autosomal dominante polyzystische Nierenerkrankung (ADPKD) – DGIM Innere Medizin – eMedpedia (springermedizin.de)

ADPKD – Polyzystische Nierenerkrankung: Labor & Diagnostik (medizinische-genetik.de)

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